Medienforum Mittweida 2018

Ein Einblick in das Medienforum Mittweida 2018

„Lasst euch an den beiden Tagen inspirieren und wenn alles gut läuft, nehmt ihr zum Schluss ein Stück Erinnerung vom Medienforum Mittweida 2018 mit nach Hause“.
Mit diesen Worten eröffneten die Producerinnen Jasmin Knappe und Emily Kalwak am 19. November das Medienforum Mittweida. Welche Erinnerungen die Besucher während der zwei Kongresstage genau mitnehmen konnten, gibt es hier nachzulesen.

Unfold Your Mind.

“Unfold Your Mind” – so lautete das Motto des diesjährigen Medienforum Mittweida. Am 19. & 20. November 2018 öffnete das Zentrum für Medien und soziale Arbeit zum 22. mal seine Türen für Medienmacher aus ganz Deutschland. In insgesamt 19 Keynotes und zwei Talks gaben namhafte Referenten wie Funk-Moderator Philipp Walulis, Drehbuchautor Marc O. Seng und Filmemacher Sebastian Linda dem Publikum einen exklusiven Einblick in ihren Arbeitsalltag und berichteten von ihren Erfahrungen. In der anschließenden Q&A-Runde sowie in der Meet & Greet Area hatten die Besucher außerdem die Möglichkeit, ihre persönlichen Fragen an die Referenten zu stellen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Erstmalig fand die Recruiting Lounge in diesem Jahr an beiden Kongresstagen statt. Die Bewerber konnten sich dort mit einzelnen Vertretern von Firmen wie Jung von Matt, Infront Germany oder IKEA Chemnitz austauschen und ihre Chance auf einen Praktikumsplatz nutzen.

Außerdem wurden zehn verschiedene Workshops angeboten, in denen sich die Besucher praktisch ausprobieren konnten.

E-Sport Means Business

In Nordamerika und Asien ist E-Sport schon längst eine beliebte Sportart mit eigenen Ligen, großen Turnieren und hohen Preisgeldern. In den letzten Jahren wird auch in Deutschland E-Sport zunehmend populärer. So legen sich zum Beispiel Vereine der Fußball Bundesliga eigene FIFA-Teams zu und haben dafür bereits große Online Communities. In diesem Panel thematisierten Mirza Jahic, der deutsche FIFA-Vizemeister und Alexander Müller von SK Gaming die Organisation eines E-Sport Teams, welches Business dahinter steckt und gingen auf die Entwicklung des E-Sports in Deutschland ein. Es wurden unter anderem die Kriterien bei der Auswahl der Spiele für ein E-Sport Turnier erläutert und welche Verbreitungswege für die junge Zielgruppe am besten geeignet ist.

Mirza Jahic zeigte während der Q&A sein Können in der Gaming Welt, indem er gegen einen Publikumsgast FIFA 19 spielte. Nebenbei gab er Einblicke in seine Arbeit.

Gemeinsam brachten die beiden Referenten den Besuchern das spannende Thema näher und zeigten uns, dass E-Sport ein enorm großes Business geworden ist, bei dem die Spieler im Zentrum von allem stehen.

Marketing Without Limits

Das Team um Marco Blüthgen von der Dresden Marketing GmbH stand vor der Aufgabe einen Imagefilm für den neuen Markenauftritt der Stadt Dresden zu entwickeln. Doch statt mit den zur Verfügung stehenden 160.000 Euro ein einziges Projekt in Angriff zu nehmen, wurden sechs verschiedene Imagevideos bei sechs lokalen Werbeagenturen in Auftrag gegeben. Das Ungewöhnliche daran: Bis auf das Budget gab es kaum Vorgaben. So wollte Marco Blüthgen das kreative Potential der Produzenten maximal ausschöpfen und authentischen Content erzeugen, welcher eine größere Zielgruppe ansprechen sollte.

Uwe Nadler, welcher mit seiner Firma ravir film neben Imagefilmen und Musikvideos auch Kinospots produziert, zeigte zunächst den eigens produzierten Imagefilm für Dresden. Anschließend erklärte er die Vorgehensweise von der Ideenfindung über die Konzeption bis hin zum fertigen Film. Der Fokus sollte auf der Vielfalt der Stadt liegen, was die Wahl unterschiedlicher Protagonisten begründete. Wichtig ist seiner Meinung nach, dass der Film ein Bild aufweist, welches im Gedächtnis bleibt.

Andreas Schmidt von twoSYDE Media produzierte den emotionalen Imagefilm “Liebes Dresden”. Er erklärte, wie die Möglichkeit, grenzenlos zu arbeiten, dafür gesorgt hat, dass sich ein Unternehmen entwickeln kann. In der Vergangenheit setzte er mit seiner Firma bereits mehrere Filme für die Stadt Leipzig um. In diesem Rahmen ist auch der Film “Mein Leipzig” entstanden, welcher ein großer Erfolg wurde. Aus diesem Projekt entstanden mehrere Folgeaufträge. Sein Tipp daher: Möglichkeiten nutzen. Im Rahmen der Imagekampagne für Dresden, sah er die Vorgabe von keinen Grenzen auch als neue Herausforderung.

We’ll Fix It In Post

Die Postproduktion ist für Filme und Serien mindestens genauso bedeutsam, wie das Drücken des Record-Buttons an der Kamera. Erst in der Nachbearbeitung wird dem fertigen Video sein Tempo, seine Aussage und seine Bedeutung verliehen. Dabei muss auf viele Details geachtet werden, um das Beste aus dem gedrehten Rohmaterial heraus zu holen. Schnitt, Color Grading und VFX sind nur einige Bestandteile dieses Prozesses.

Colorist Walter Just von CINE PLUS / DAS WERK sprach in diesem Rahmen über Color Grading. Dies dient nicht nur der Farbkorrektur, sondern auch der Look Definition, welcher dem Film Aussagekraft verleihen soll. Anhand eigener Projekte wie “Tatort Dortmund” oder “4 Blocks” erklärte er die jeweilige Vorgehensweise. Bei täglich rund 400 bis 600 Schnitten ist dabei gutes Zeitmanagement sowie das Ausarbeiten eines Workflows wichtig.

Filmemacher Sebastian Linda arbeitete bereits für Firmen wie Red Bull, Saturn oder auch Pro7. Sein Herz hängt jedoch besonders an den Projekten, die ihn persönlich betreffen und bei denen er alle Schritte der Postproduktion selbst übernehmen kann. In der Keynote zeigte er den Zuschauern hautnah seinen Workflow. Dafür filmte er den Weg von Zuhause bis zum Medienforum Mittweida und schnitt dies live im Panel zu einem kurzen Film. Seine Empfehlung für interessante Szenen: kurze Momente suchen und nicht zu lange Schnitte setzen. Des Weiteren ermutigte er künftige Filmschaffende spielerisch an die Sache heran zu gehen, viel Auszuprobieren und dabei Spaß zu haben, damit das Ergebnis authentisch ist.

Dive Right In

Das sogenannte Volumetric Video wird weltweit als der nächste wichtige Entwicklungsschritt im Bereich der Medienproduktion angesehen. Insbesondere im Umfeld der rasanten Marktentwicklungen von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) entwickelt sich Volumetric Video aktuell zu einer Schlüsseltechnik. In zwei interessanten Keynotes berichteten der Produzent Fabian Mrongowius von UFA X und der Geschäftsführer Holger Weber von Kubikfoto³ über neuartige VR-Techniken.

Fabian Mrongowius beschreibt dabei das Entwickeln von neuen Geschichten und Formaten als Ziel und erklärt die VR Produktion des Films “Ein ganzes Leben”. Auch Volumetrische Videoproduktionen kamen zum Einsatz. Bei diesen werden reale Personen mit mehreren Kameras gleichzeitig aufgenommen, um aus diesen Daten im Anschluss dynamische 3D Modelle erstellen zu können.

Fotograf und Kameramann Holger J. Weber von Kubikfoto³ ging in seiner Keynote auf Realtime 3D Games und 360 Grad Videos ein. Er produzierte ein KIZ Interaktives Musikvideo sowie VR Erlebnisse ohne VR-Brille. Ihre Projekte vermitteln den User Wissen über bestimmte Themenbereiche, wi beispielsweise bei der aufwendigen Produktion “Ostsee Life” für Nabu, bei welcher man die Tiefsee und Artenvielfalt kennenlernen kann.

Up To Date?

Die Sozialen Medien gehören für jeden mittlerweile fest zum Alltag. Vor allem junge Menschen nutzen, anstatt der klassischen Nachrichtenportale, vermehrt Facebook, Instagram und Co. zur Informationsbeschaffung. In dem Panel “Up To Date” sprachen Oliver Schenk, Staatsminister und Chef der sächsischen Staatskanzlei, Boris Lochthofen, Direktor des MDR Thüringen, Dr. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD aktuell, Julia Scholl von light up! News sowie Prof. Dr. Janis Brinkmann von der Hochschule Mittweida über die Zukunft des Nachrichtenjournalismus.

Gemeinsam debattierten sie darüber wie Unternehmen Informationen über Soziale Medien distribuieren und diese Art des Verbereitungsweges für viele Nachrichten-Firmen immer essentieller und attraktiver wird. Dabei gingen die Referenten unter anderem auch auf die Bedeutung und Wirkung von Massenmedien ein. Trotz der schwierigen Thematik entwickelte sich ein angeregtes Gespräch mit interessanten Standpunkten.  

Laughter At Any Cost

In der spannenden Diskussionsrunde debattierten vier Medien- und Satire Experten über die Grenzen von Satire: Funk-Moderator Philipp Walulis, der ehemalige Chefredakteur der Satirezeitschrift “Titanic” Thomas Gsella, Redaktionsleiter von NDR extra 3, Andreas Lange und Steffen Grimberg, Redakteur von MDR MEDIEN360G thematisierten in 90 Minuten den Zusammenhang zwischen Satire und Journalismus. Geleitet wurde der Talk von unserem Moderator Max Herrmann. Um das Gespräch zu strukturieren, wurden die Leitfragen “Ist Satire die neue Form des Journalismus?”, “Was darf Satire?” sowie “Wo liegen die Grenzen von Spottgedicht und Schmähkritik?” in die Runde gestellt.

Die Referenten kamen schnell zu einem gemeinsamen Ergebnis: Satire darf verletzen, übertreiben, unsachlich und gemein sein aber eins darf sie nicht – langweilig und unkomisch werden. Grundlegendes Ziel der Satire ist es den Zuschauern und Lesern eine Message zu überbringen, Missstände anzuprangern und das Ganze humorvoll rüberzubringen. Entstanden ist schlussendlich ein interessanter Talk, bei dem verschiedenen Positionen eingenommen wurden.

Sounds Awesome

In diesem Panel drehte sich alles um das Thema Sound: Ramon de Marco, Geschäftsführer von idee und klang beschäftigte sich in seiner Keynote mit der Frage, wie sich ein bestimmter Sound mit einer Marke verknüpfen lässt und damit ihren Charakter prägnant widerspiegelt. Ramon de Marco erklärte wie Sound eine Geschichte erzählen-, die Aufmerksamkeit lenken- und Besucher in einer anderen Zeit versetzen kann und. Außerdem ließ er uns an verschiedenen Beispielen spüren, wie laut Stille sein kann. Filmmusik hingegen ist dynamisch.

Sie verstärkt eine Szene und kann diese verschieden wahrnehmbar machen. Die Arbeit eines Filmkomponisten beginnt bei der Sichtung des Drehbuchs, über die Erstellung eines musikalischen Konzeptes, bis hin zur Aufnahme des fertigen Stücks. Dabei haben die Komponisten hohe Ansprüche an sich selbst, müssen schnell, kreativ und kommunikativ sein. Jan Willem de With ist als junger Filmkomponist für mehrere namhafte Preise der Szene nominiert und erzählte von der Herausforderung Dienstleistung und künstlerisches Schaffen in Einklang miteinander zu bringen.

Crossing Borders

In diesem Panel drehte sich alles rund um Serien. Gemeinsam debattierten der französische Filmproduzent Daniel Leconte, Filmkomponist Laurent Eyquem und Prof. Peter Gottschalk über das Phänom internationaler Serien und brachten den Besuchern die moderne Art des Storytellings näher. Anhand der erfolgreichen französich-deutschen Serie “Carlos – Der Schakal” gingen der Produzent Daniel Leconte und der Filmkomponist Laurent Eyquem, der live aus Los Angeles hinzugeschalten wurde, auf die Produktion einer Serie ein und gaben uns einen spannenden Einblick hinter die Kulissen. Die Filmbiografie aus dem Jahr 2010, bei der in fiktionalisierter Form das Leben des venezolanischen Terroristen Ilich Ramírez Sánchez alias Carlos erzählt wird, erhielt mehrere Auszeichnungen.

Brand Your Club

Es ist kein Geheimnis, dass Sportvereine immer größere Summen umsetzen müssen, um sowohl finanziell als auch sportlich konkurrenzfähig zu bleiben. Marketing ist im Sport ein großer Bestandteil und für viele Sportvereine essentiell und ausschlaggebend. In dem Panel “Brand Your Club – Markenbildung im Sport” beschäftigten sich Michael Drotleff von Infront Germany und German Schulz vom VfL Wolfsburg mit dieser spannenden Thematik. Dabei gingen sie unter anderem darauf ein, wie man eine starke Marke erfolgreich im Sport aufbaut, welche für die Stadion-Gäste sowie für die Sponsoren gleichermaßen interessant ist.

Außerdem beschäftigte sie das Thema, warum Unternehmen ausgerechnet in das Sportsponsoring investieren, um die eigene Marke voranzubringen. Anhand von Beispielen erklärten sie, was das Rezept für eine erfolgreiche Markenbildung im Sport ist und welche Herausforderungen dabei bewältigt werden müssen. German Schulz berichtete zu dem aus seinem Alltag bei VfL Wolfsburg und gab uns spannende Einblicke in die Welt des Fußballs.

It‘s A Series Story

Welchen Herausforderungen muss sich eine Idee stellen bis sie als fertige Serie über unsere Bildschirme flackert? Dieses Panel beleuchtete die verschiedenen Perspektiven einer deutschen Serienproduktion. Drehbuchautor Marc O. Seng, der unter anderem an Erfolgsserien wie “Dark” oder “Club der roten Bänder” mitgeschrieben hat, berichtete von seiner Arbeit als Drehbuchautor. Er gab dem Publikum einen Einblick in die Entstehung eines Drehbuchs und erzählte, welche Herausforderungen bewältigt werden müssen, bis es schließlich zum fertigen Film kommt.

Claudia Tronnier, Leiterin der renommierten ZDF Nachwuchsredaktion “Das kleine Fernsehspiel”, unterstützt junge Filmemacher bei der Produktion von Serien. Besonders wichtig ist ihr dabei Vielfalt sowie mit den neuesten Themen und Trends mitzugehen. An mehreren Beispielen zeigte sie, wie die Arbeit in der Talentförderung aussieht und wie sich die Produktion von Nachwuchsfilmen ausgestaltet.

Regisseur Oliver Alaluukas führte Regie bei der neuen Webserie “Klicknapped”, welche für Funk produziert wurde und gab im Panel Einblicke in seine Arbeit im Film und in einer Webserie.