Rückblick 2017

Ein erster Rückblick auf das Medienforum 2017

Das Medienforum Mittweida fand in diesem Jahr zum 21. Mal statt. Trotzdem ist es für alle Beteiligten immer wieder aufregend. Auch für die Professoren, die das Projekt schon über längere Zeit betreuen, gibt es immer wieder Überraschungen: Das Medienforum erstrahlte dieses Jahr in blau und grün – moment, grün?
Um zehn Uhr wurde das Medienforum im TV Studio des Zentrums für Medien und Soziale Arbeit (ZMS) eröffnet. Die Producer Philine Ludwig und Stefan Möhrle bedankten sich beim gesamten Team, denn die über 100 Studierenden arbeiteten in den letzten 10 Monaten hart, um den Medienkongress zu verwirklichen. Eine der Besonderheiten, die sich das Team in diesem Jahr einfallen ließ, bemerkte Professor Dr. Michael Hösel, der Dekan der Medienfakultät, sofort: “Das diesjährige Medienforum ist das grünste Medienforum aller Zeiten.” Das gesamte ZMS war geschmückt mit Pflanzen und Sträuchern. Dazwischen tummelten sich Besucher, Referenten, Fotografen und Filmteams.

Man hatte also exklusive Einblicke in die Hintergründe und Erfahrungen nationaler und internationaler Medienmacher und getreu dem Motto „Be Part Of It“ konnte man ein Teil davon sein.

Progammplan 2017

Unser Programmplan

Hier nochmal ein Überblick über die verschiedenen Keynotes, Talks und Workshops. Es ist auch vermerkt, wann und unter welcher Leitung die Events stattfanden.

 

 

 

Vielen Dank, für eure zahlreiche Teilnahme!

Der erste Tag

WE ARE VR – Der Einsatz von VR und 360°-Video und Wirtschaft und Alltag

Susanne Dickel beim Panel we are VR

Susanne Dickel beim Panel WE ARE VR

Das erste Panel des Tages drehte sich um die weite Welt von virtuellen Realitäten und 360°-Produktionen. Als erste stellte sich Susanne Dickel von Into VR vor. Sie ist Journalistin und ihr Spezialgebiet ist mittlerweile die 360°-Produktion. Vor zwei Jahren entdeckte sie die Technologie für sich und hat seitdem über einhundert 360°-Videos produziert. Der Journalismus steht bei ihren Produktionen im Vordergrund, nicht die Unterhaltung. Dabei hat sie die Grenzen des Storytellings in 360° ausgeweitet: Sie filmte eine unter anderem eine Operation an der Charité und erkundete die Inseln Kroatiens. Der zweite Referent des Panels war Gion Tummers von der Digitalagentur Demodern. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte er eine Virtual-Reality-App für das Möbelhaus IKEA. Dabei ging er auf Schwierigkeiten und Besonderheiten der App ein. Beispielsweise können Teppiche aus Fell nicht dargestellt werden, da für das Rendern viel zu viel Zeit benötigt wird. Zudem setzt die App vermehrt auf Storytelling. Eine junge Frau namens Smilla, die ebenfalls in den TV-Werbespots präsent ist, führt durch die App und gibt dem Nutzer Anweisungen. Der akustische Eindruck ist für den Rezipienten besonders wichtig, da er so Orientierung im Raum findet, durch die App navigiert wird und in die Geschichte eintauchen kann. Nach dem Panel konnten sich die Zuschauer von den 360°-Produktionen der beiden Referenten faszinieren lassen.

WRITE. DELETE. REPEAT. – Herausforderungen deutscher Drehbuchautoren

Bob Konrad beim Panel WRITE. DELETE. REPEAT.

Bob Konrad beim Panel WRITE. DELETE. REPEAT.

Weiter ging es beim Medienforum mit einem Panel, das einzig und allein Drehbuchautoren gewidmet war. Dafür fanden sich Bob Konrad und Josef Ballerstaller in Mittweida ein.

Bob Konrad schreibt Drehbücher für viele Serien, die alle sehr unterschiedlich sind. Unter seinen Werken finden sich Arbeiten für Serien wie “Löwenzahn”, “Soko Leipzig” und “You Are Wanted”. Während seines Vortrags sprach er über die Entstehung von Drehbüchern für Daily Soaps und Telenovelas, erklärte die Bedeutung der verschiedenen Handlungsstränge in den Serien und schilderte seinen Arbeitsablauf als Autor. Außerdem kam der Serienredakteur Josef Ballerstaller in dieser Keynote zu Wort. Er beschrieb die Arbeit der Redaktionen, die eine neue Fernsehserie planen. Dabei ging er vor allem auf seinen eigenen Werdegang ein. Er war beteiligt an Comedy-Formaten wie “Wochenshow”, “Ladykracher” und “Pastewka”. Während seines Vortrags blickte er mit dem Publikum hinter die Kulissen der großen Comedy-Sendungen und erzählte vom Produktionsablauf der “Wochenshow”.

MORE THAN @VERTISEMENT – Marketingstrategien und Kampagnenführung

Nils Böse von Jung von Matt

Nils Böse von Jung von Matt

Ein Marketing Panel durfte natürlich beim Medienforum Mittweida auch nicht fehlen: In MORE THAN @VERTISEMENT sprach Daniel Völker von der Werbeagentur “Scholz & Friends” über Ideen, Ansätze und Entwicklungsprozesse im Marketing. Als Beispiel für eine Marketingkampagne brachte er den Relaunch von “MDR Sputnik” an. Seine Firma setzte sich mit dem Sender zusammen, um ein neues Image, das auch zur Zielgruppe passt, zu erstellen. Daniel Völker zeigte während seiner Keynote Entwicklungsprozesse des neuen “MDR Sputnik” Corporate Designs, dessen Anwendung bei Produkten und Merchandise sowie die verschiedenen Entwürfe für das neue Logo des Senders. Der zweite Referent, Niels Böse, kam von der Werbeagentur “Jung von Matt”. Sein Thema: Die Werbe- und Imagekampagne für die Hamburger Elbphilharmonie. Im Zuge seines Vortrags beleuchtete Niels, wie diese riesige Kampagne innerhalb eines Jahres gestemmt werden konnte. Dabei war es wichtig, das Thema Konzerthaus von dem Vorurteil zu befreien, dass es uncool und verstaubt sei. Deshalb sollte mit der Kampagne das allgemeine Interesse an der Elbphilharmonie und ihren Angeboten angeregt werden. Denn die “Elphie” ist nicht nur ein Ort für interessierte Musikliebhaber, sondern für jedermann. Um für allgemeines Aufsehen zu sorgen, setze “Jung von Matt” Guerilla Marketing ein: Der aktuelle Programmplan der Philharmonie wurde in Form von Graffitis an Hauswände in ganz Hamburg gesprüht. Bei der Eröffnung war es besonders wichtig, die Hamburger mit einzubeziehen. So wurde ein Algorithmus entwickelt, der die Musik an die Fassade der Elbphilharmonie projiziert, damit alle Städter das Konzert miterleben konnten.

NO BUSINESS LIKE SHOW BUSINESS – Musikevents, Podcasting und Künstlerpromotion im Fokus

Daniel Nikolai und Marc Feldmann beim anschließenden Q&A

Daniel Nikolai und Marc Feldmann beim anschließenden Q&A

Für dieses Panel betraten gleich drei Referenten die Bühne, die alle eine Gemeinsamkeit hatten: Musik. Als erstes sprach Rigo Eifert von “Semmel Concert Entertainment” über die Organisation von Konzerten. Das Veranstaltungsunternehmen hat unter anderem Konzerte für Helene Fischer, Die Toten Hosen und Depeche Mode geplant und durchgeführt. Rigo Eifert gab einen Einblick in seine Arbeit bei der Event-Firma, zeigte Ausschnitte von Dispositionsplänen und redete von den Schwierigkeiten, die beim Wechsel von Locations auftreten. Einige Anekdoten aus seinem Arbeitsleben hatte er auch parat und berichtete von Begegnungen mit bekannten Musikern. Daniel Nikolaou vom Musikstreamingdienst “Spotify” nahm ebenfalls als Referent am Medienforum teil. Bei ihm drehte sich alles um das Thema Podcasts. Er machte Angaben zur Nutzung von Podcasts auf “Spotify”, sprach über das zukünftige Podcast-Angebot des Musikstreaming-Dienstes und versuchte aufzuschlüsseln, warum diese so beliebt sind. Ein Grund ist beispielsweise, dass Podcasts eine gewisse Anonymität bieten, kein anderer sieht, was man gerade in der Straßenbahn hört. Der letzte Referent in dieser Runde war Marc Feldmann. Er hat sich im Bereich Künstlerpromotion selbstständig gemacht. Sein Unternehmen “marcsfirma” bringt Künstler erfolgreich ins Radio. Dazu erklärte Marc die Bewertungssysteme hinter den Air Play Charts und wie Radioredaktionen neue Lieder ins Programm nehmen.

DARLING, WE NEED TO TALK – Braucht die Politik Nachhilfe in den Medien?

Polit-Talk als Tagesabschluss

Polit-Talk als Tagesabschluss

In der Diskussionsrunde am Montagabend kamen sechs Medien- und Politikexperten zusammen: Gemeinsam debattierten Hubertus Koch von Y-Kollektiv, der ehemalige BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb, SPD-Politikerin Sabine Friedel, Jan Schipmann und Friederike Schiller vom Debattenformat INFORMR sowie Professor Janis Brinkmann über die Kommunikationsprobleme zwischen Politik und Medien. Um dem Gespräch eine Richtung zu geben, wurden die Leitfragen “Wie wird die Politik über die Medien kommuniziert?” und “Warum gibt es keine funktionierende Streitkultur mehr?” formuliert. Dabei gingen die Referente unter anderem auch auf die Bedeutung und Wirkung von Massenmedien ein. Dadurch, dass alle Themen direkt online auseinander genommen werden, kann man in der Politik kaum noch verständliche Sätze formulieren. Politiker drucksen in langen Antworten umher oder bedienen sich im Floskelkatalog. Aber die Massenmedien bieten auch dem Politiker die Chance selbst zum Akteur zu werden und sich in Eigenregie im Internet zu auszudrücken. Trotz der schwierigen Thematik entwickelte sich ein angeregtes Gespräch mit interessanten Standpunkten.

Der zweite Tag

Auch der zweite Tag des Medienkongresses ging pünktlich um zehn Uhr los. Zwar gab es keine Überraschungen mehr, dafür aber wieder spannende, vielseitige und interessante Panels und Talks.

HOW TO GET A SCHOLARSHIP – Stiftungen im Talk

Zu Beginn des Tages sprachen Gabin Ananou, Botschafter vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt; Pia Bungarten von der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Dr. Michael Czepalla und Professor Hans-Peter Niedermeier, beide von der Hanns-Seidel-Stiftung, über die Förderungen, die Instutionen für Studenten anbieten. Gabin Ananou stammt aus Afrika. Ein Stipendium eröffnete ihm die Möglichkeit nach Deutschland zu kommen und brachte ihn voran. Er sagte selbst, dass er sich ohne das Stipendium niemals in seiner aktuellen Position befunden hätte.
Im Laufe des Panels kamen alle vier Referenten miteinander ins Gespräch, stellten ihre Stiftungen vor und ermutigten die Zuschauer, sich um ein Stipendium zu bewerben. Neben der finanziellen Unterstützung bieten die Einrichtungen auch Veranstaltungen, Seminare und Arbeitskreise an. Hauptaussage der Gesprächsrunde: Probiert es, euch für ein Stipendium zu bewerben – nur sich nicht zu bewerben ist ein Fehler.

MIND OF THE MACHINE – Anwendungsmöglichkeiten künstlicher Intelligenz

Maschinen helfen dem Menschen immer mehr bei der Arbeit und erleichtern unseren Alltag. Eine große Hilfe sind dabei auch künstliche Intelligenzen. Sie werden im Marketing und in der Wirtschaft eingesetzt, wie unsere Referenten Bernd Vehlow und Jens Kamioka deutlich machten.
Bernd Vehlow arbeitet für die Medienagentur “Blackwood Seven”. Er beschrieb, wie seine Agentur künstliche Intelligenzen im Marketing-Management-Prozess einsetzt. Denn die Branche ist in den letzten 20 Jahren wesentlich komplizierter geworden: Mussten damals für eine Mediaplanung noch 50 Entscheidungen getroffen werden, sind es heute mehr als 5000. Am Ende eines Auftrages liefert die Firma ein Live-Interface an ihre Kunden, auf dem alle, für den Marketingprozess relevanten Daten eingesehen werden können.
Jans Kamioka von “T-Systems Multimedia Solutions” erläuterte, wie künstliche Intelligenzen in der Wirtschaft eingesetzt werden, um die Effizienz von Produktionen zu erhöhen. Sie werden vor allem für komplexe Aufgaben verwendet, die wiederholt werden aber zu kompliziert für die Anwendung einfacher Regelwerke sind. Künstliche Intelligenzen greifen zwar auch auf ein Regelwerk zurück, sind aber lernfähig und in der Lage die Regeln anzupassen. Eingesetzt werden solche künstlichen Intelligenzen zum Beispiel bei der Qualitätsprüfung von Smartphones.

“CLASH OF FUTURES – 18” – Behind the scenes of the international production

Die Serie “Clash of Futures – 18” spielt zwischen 1918 und 1939. Es werden die Schicksale verschiedener junger Europäer tagebuchartig beschrieben, die nach dem Ersten Weltkrieg eine neue Welt aufbauen wollen. Dabei wird beleuchtet, wie es dazu kam, dass der Zweite Weltkrieg ausbrach. Professor Peter Gottschalk von ARTE, Producerin Dr. Regina Bouchehri von “LOOKS Film & TV”, Dr. Jean-Michel Johnston von der Oxford University sowie Regisseur und Autor Jan Peter stellten gemeinsam die Serie beim Medienforum vor und sprachen über die Hürden und Chancen der internationalen Serienproduktion. Ein Hindernis bei der Produktion war die Sprache. Das Drehbuch wurde in verschiedenen Sprachen geschrieben, die Darsteller wurden in ihrer Muttersprache gecastet und auch die Figuren in der Serie sprechen unterschiedliche Sprachen. Gezielt eingesetzt soll die Sprache den Zuschauer in das jeweilige Land der Figuren mitnehmen und die europäische Geschichte wahrheitsgetreu erzählen. “Clash of Futures – 18” schließt an die Serie „14 – Diaries of the Great War“ an, die bereits 2014 bei Medienforum Mittweida vorgestellt wurde.

AND ACTION! – FUNKy Bewegtbildangebote für TV und Web

Beim Bewegtbild-Panel kamen vier Referenten auf die Bühne, die ihre Firmen vorstellten, Einblicke in Produktionen gaben und einen Blick hinter die Kulissen von Produktionen wagten. Als erstes erzählte Sebastian von Wurmb-Seibel über seine Firma “FischWillWurm Media”. An Hand der Serie “Global Gladiators” erläuterte er, wie aus einer ersten Idee ein fertiger Serie entstehen kann. Er verglich das fertige Endprodukt mit der anfänglichen Idee, zeigte Planungsentwürfe für Inhalte und Requisiten und schilderte, wie das Team unterwegs gedreht, aufgezeichnet und geschnitten hat. Als zweite kam Claudia Di Lena von “funk” auf die Bühne. Sie betreut bei dem Content-Netzwerk der ARD und ZDF einige Formate. Ihre Redezeit nutzte sie, um “funk” vorzustellen, sprach über aktuelle Sendungen, die bei”funk”laufen; wie diese ausgewählt werden und wie “funk” sich weiter entwickeln möchte. Als letztes präsentierten Hubertus Koch und Christian Tipke die Firma “sendefähig”. Sie produzieren für “funk” das Format “Y-Kollektiv”. Für “Y-Kollektiv” sind 15 Reporter unterwegs, die schon mehr als 70 Geschichten auf Youtube veröffentlicht haben. Die Journalisten wählen ihre Themen selbst aus und recherchieren die Fakten dahinter. Sie versuchen die großen Themen der Zeit zu beleuchten und legen Wert auf eine subjektive Erzählweise.

SHOWCASE NEO MAGAZIN ROYALE – Ein exklusiver Einblick in den Produktionsprozess

Das letzte Panel des Tages gehörte J. Patrick Arbeiter. Er ist Live-Regisseur und technischer Leiter beim “Neo Magazin Royale”. Bevor er über seine Arbeit erzählte, beschrieb er die Entwicklung seiner Firma, der “bildundtonfabrik” (btf) und listete auf, welche Sendungen die btf produziert. Dann stand das “Neo Magazin Royale” im Mittelpunkt des Vortrags. J. Patrick Arbeiter blickte auf das “Neo Magazin” zurück, beschrieb die Entstehung der Sendung und zeigte Bilder vom alten Studio. Danach beschrieb er den Neustart der Sendung unter dem Titel “Neo Magazin Royale”, die Suche nach einem neuen Sendestudio und die Neuerungen im Programmablauf. Zu guter Letzt spielte er den Vorspann vom “Neo Magazin Royale” ab und gab gleichzeitig Regie-Anweisungen, um dem anwesenden Publikum einen Einblick in sein Schaffen während der Sendung zu gewähren.

Nach dem Panel “SHOWCASE NEO MAGAZIN ROYALE” kamen die Producer Philine Ludwig und Stefan Möhrle nochmal auf die Bühne, um sich bei dem Team, den Unterstützern und den Sponsoren zu bedanken. Überwältigt von Freude und Erleichterung war Philine Ludwig den Tränen nah. Die harte Arbeit der letzten zehn Monate wurde gekrönt von Erfolg. Jeder einzelne der Beteiligten ist stolz auf die getane Arbeit, stolz auf das gelungene Event. Das 21. Medienforum ist vorbei. Zeit zum Zurücklehnen bleibt aber nicht, denn das nächste Medienforum Mittweida will jetzt schon geplant werden.